mein kleines WM-Tagebuch

 

31.05.
Wir treffen uns im Parkcafé. Die dort aufgestellte Projektionswand ist nach Süden ausgerichtet.
Es ist 13:30. Konsequenterweise wird das Eröffnungsspiel auch nicht übertragen. Wir schauen
uns die erste Halbzeit drinnen auf kleien Sony-Fernsehern an. Gegen Ende nähert sich das Bild
immer mehr dem berühmten "Schneetreiben". Wir gehen nach Hause und sehen uns die zweite
Halbzeit dort an. Frankreich - Senegal 0:1


01.06.
8:25 vor der ersten "Sportsbar" (also einer 08/15 Kneipe mit Premiere-Decoder). Trotz der
vollmundigen Ankündigung "alle Spiele live", stehen wir vor verschlossenen Türen. Eine
kleine Runde um den Block und das Spiel wiederholt sich mehrfach, bis wir im griechischen
Bistro "Fantasia" landen. Griechisches Pay-TV mit für mich unverständlichem Kommentar -
super. Der Wirt und seine Kumpels sind etwas überrascht, dass tatsächlich Gäste
außerhalb ihres Bekanntenkreises vorbeikommen. Irland-Kamerun 1:1 geht in Ordnung.
Die Iren sind in der ersten Hälfte schwach, machen aber in der zweiten das Spiel. Kamerun
fällt es schwer, selbst aktiv zu gestalten und gerät in die Defensive. Uruguay-Dänemark 1:2.
Uruguay ist nicht in der Lage, konstruktiv zu spielen. Deutschland-Saudi-Arabien 8:0. Tja,
was soll man sagen. Saudi-Arabien ist absolut zweitklassig. Selbst Jancker und Bierhoff
dürfen Tore schießen. Geschaut haben wir im "New Backstage", dem Nachfolger des Backstage,
das vom Gelände im Besitz der Bahn AG weichen musste. Nun haben stattdessen wir ein paar
Blechcontainer.

02.06.
7:30. Meine Mit-Seher tauchen nicht auf. Dafür habe ich mich also um 6:45 aus
dem Bett gequält. Dann eben allein ins Fantasia. Zu meiner Überraschung gibt es dort ein
riesiges griechisches Frühstück - allerdings nicht für mich. In der Karte gibt es nur Bistro-Essen
wie Hotdogs, für seine drei jungen Freunde hat der Wirt allerdings aufgetischt. Außer ihnen bin
ich der einzige Gast und komme mir eher vor wie ein Eindringling im fremden Wohnzimmer.
Es spielen Argentinien und Nigeria. In der Pause schlafen zwei der jungen Griechen friedlich ein,
der eine auf dem Schoß des anderen. Ich bestelle mir einen Ouzo. Argentinien ist klar überlegen,
Nigeria kommt kaum in die Nähe des argentinischen Strafraums. Kurz vor der Pause wird Nigeria
stärker und hat sogar Torchancen. Obwohl Nigeria defensiv (meist) gut steht, kommen sie selbst
kaum zu Chancen. Ab 9:45 gibts Fußball im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Doch statt, wie ich
dachte, das Spiel Paraguay - Südafrika zu bringen erzählt Wolf-Dieter Poschman uninteressante
Geschichten vom Sony-Center in Berlin. Dieses Spiel muß ich mir also entgehen lassen. Sie trennen
sich unentschieden, 2:2, lasse ich mir sagen. Langsam vergeht mir schon die Lust. Ich lasse im
Hintergrund England-Schweden laufen. Am Ende steht es 1:1. Man sagt, England habe die erste
Halbzeit dominiert, Schweden die zweite. Wird schon stimmen. Um 13:30 mache ich mich wieder
auf den Weg ins New Backstage, wo Peter wartet. Spanien - Slowenien steht auf dem Spielplan
und wir hoffen auf Slowenien. Peter hat einen Wettzettel, der ihn als Slowenien-Fan ausweist.
Für jedes von der favorisierten Mannschaft geschossene Tor gibt es einen Jägermeister. Peter
muss sich mit einem begnügen, während die Konkurrenten sich gleich drei Stück reinkippen dürfen.
Nach dem Spiel ist er frustriert.

03.06.
Erste Ermüdungserscheinungen stellen sich ein. Es zeichnet sich ab, dass der Plan sich
alle Spiele anzuschauen, wahrscheinlich doch nicht durchzuhalten ist. Morgens um 8:30 will ich
schon nicht mehr in die Kneipe. Deshalb verzichte ich auf Kroatien gegen Mexiko. Man erzählt
sich später, die Kroaten seien unglaublich schlecht, alg geworden, kein Vergleich mit der
Mannschaft von '98. Die zweite Halbzeit von Brasilien - Türkei schau ich mir im Hexenkessel an.
Das ist von mir zuhause aus die nächste Kneipe, eine Art Themenkneipe mit entsprechender
Innenausstattung, wo die meisten Gerichte auf der Karte irgendwas mit Hexerei oder Magie
zu tun haben. Das ist zwar nicht ganz mein Fall, aber die Leute sind nett und man hat mit
Abstand die besten Sichtverhältnisse. Die Türken spielen für mich überraschend stark und
werden vom Schiedsrichter benachteiligt. Ich muß mich darüber und über die unglaublich
arroganten Brasilianer ärgern. Der Schiedsrichter pfeift einen unberechtigen Elfmeter, der zum
2:1 Siegtor für Brasilien führt. Hoffentlich kommt die Türkei trotzdem weiter. In Berlin kam es
im Anschluss zu einer größeren Schlägerei zwischen türkischen und brasilianischen Fans.
(Nachtrag1: Rivaldo wird vielleicht für seine Schauspielerei gesperrt , für die ein türkischer
Spieler vom Platz gestellt wurde. Gibt es noch eine Gerechtigkeit? Wird Brasilien vielleicht noch
das zweite Tor aberkannt? Kaum anzunehmen. Nachtrag2: Rivaldo wird noch nicht mal gesperrt,
sondern muß nur die lächerliche Summe von 10.000 Schweizer Franken bezahlen. "Ich bedauere
nichts, was ich getan habe. Ich weiß noch nicht einmal, wofür ich bestraft werden sollte. Ich habe
mir deswegen auch keine Sorgen gemacht, dass ich gesperrt werden könnte, schließlich bin ich
gefoult worden. Im Fußball muss man eben manchmal clever sein." (Spiegel) Zur Erinnerung: Hakan
Ünsal hatte ihm den Ball an den Oberschenkel geschossen! )

Italien-Ecuador wollte ich mir eigentlich anschauen, es kommt mir aber etwas dazwischen. Es kommt
wohl zum erwarteten Sieg Italiener - 2:0. Bei Spiegel online lese ich einen Artikel von Ralf Klassen,
der sich fragt, warum der Volksaufstand angesichts der bescheuerten TV-Situation ausbleibt. Das
frage ich mich auch. Zusätzlich frage ich mich, wie Klassen mit diesem Schulaufsatz-Stil, der dem
hier gleicht, Geld verdienen kann.

04.06.
Meine neue Strategie ist es, mir nur die zweite Halbzeit anzuschauen. Deshalb bin ich um 9:30
im Fantasia bei China - Costa Rica. Die Chinesen sind wirklich ziemlich schwach und verlieren
2:0. Schade eigentlich. Ihr Trainer Milutinovic hatte das schon im Vorfeld angedroht und davon
geredet, es ginge auch mehr um den Spaß. Na gut. Von den anderen beiden Spielen habe ich
leider auch kaum etwas gesehen. Zur Pause stand es zwischen Japan und Belgien noch 0:0.
Eigentlich wollte ich mir dann die zweite Halbzeit anschauen, kam aber dann doch nur noch
zu den letzen 10 Minuten. In der Zwischenzeit waren vier Tore gefallen. Endstand 2:2. Angeblich
der erste Punkt für Japan bei einer Fußball-WM (genauer gesagt Endrunde). So wird Japan doch
nicht Weltmeister (das behaupten die Leute vom NoMiYa). Südkorea war anschließend erfolgreicher
und schlug Polen in einer großartigen Leistung mit 2:0.

05.06.
jetzt ist die Sache endgültig gelaufen. Ich komme überhaupt nicht mehr dazu mir Spiele anzusehen.
Vormittags gewann Russland gegen Tunesien 2:0. In der zweiten Halbzeit USA-Portugal steige ich
wieder ein. Es scheint ein ziemlich absurdes Spiel zu sein, in dem die USA zeitweise mit 3:0 führen.
Als ich das Spiel sehe spielt nur Portugal. Nur Tore schießen sie keine mehr. Das bleibt einem
Abwehrspieler der USA vorbehalten, der ein wirklich großartiges Eigentor erzielt. Von Figo war wohl
nicht viel zu sehen und so gewinnt die USA am Ende 3:2 gegen Portugal - verkehrte Fußballwelt.
In der taz, der besten Fußballzeitung Deutschlands, gibt es einen recht witzigen Kommentar von
Frank Ketterer. Irland erzielt in letzter Minute den völlig verdienten Ausgleich gegen Deutschland,
nachdem sie das Spiel großteils beherrschten. Endstand 1:1
zum guten Schluss noch eine Meldung: "Seoul (dpa) - In Nordkorea sind Ausschnitte von zwei
WM-Spielen im staatlichen Fernsehen ohne Genehmigung des Rechteinhabers KirchMedia ausgestrahlt
worden. Das erklärte ein Sprecher des Fußball- Weltverbandes FIFA in Seoul. Der Fall werde jetzt
von KirchMedia geprüft. Das nordkoreanische Fernsehen hatte jeweils mit einem Tag Verzögerung
Bilder der Spiele Frankreich - Senegal und Irland - Kamerun gezeigt. Wie die Aufzeichnungen von
Südkorea ins kommunistische Nachbarland gelangten, ist unklar."

06.06.
Leider habe ich heute wieder alle Spiele verpasst. Senegal und Dänemark spielten unentschieden 1:1,
Kamerun hatte scheinbar doch mehr Schwierigkeiten mit Saudi-Arabien und siegte 1:0. Ersatzweise
habe ich einen interessanten Artikel über Oliver Kahn gelesen.

08.06.
ran ist schlimm. Wegen Paul Breitner. Es ist nicht auszuhalten, wie er versucht gleichzeitig kritisch
und witzig zu sein. Was fällt ihm ein, auf den asiatischen Mannschaften rumzuhacken und anzuregen,
man solle doch Weltmeisterschaften besser ohne sie veranstalten. Er hat einen Humor auf dem Niveau
von debilen Grundschülern und macht sich darüber lustig, was für komische Namen die Chinesen doch
haben. "Siehe auch Breitner, Paul. Redet denselben Mist wie mein Schwager, der nicht mal ahnt, wie eine
Turnhose von innen aussieht." (Albert Hefele in der taz)

10.06.
Südkorea spielt Klasse, mit kleinen Schwächen im Abschluss - und beim Elfmeterschießen. Deshalb reicht
es gegen die USA nur zu einem 1:1. Hoffentlich kommt Südkorea weiter. Dazu müssen sie wohl gegen
Portugal gewinnen. Die melden sich dagegen mit einem deutlichen 4:0 gegen Polen wieder zurück. Paul
Breitner ist ekelerregend, unangenehm. Was ist das eigentlich für ein saublödes Konzept der Doppelmoderation:
"wie mir in Bayern sagen vo-gel-wild" (Breitner).

11.06.
Senegal ist in der nächsten Runde, Frankreich raus. Bin heute einen entscheidenden Schritt in meiner
Persönlichkeitsentwicklung weitergekommen. Ich reg mich nicht mehr auf. Ich nicht. Achja, Kamerun ist
ausgeschieden, Deutschland weiter, aufgrund einer einmal mehr überragenden Leistung in der gesamten
Vorrunde. Ok, Spaß beiseite. Aber man muß auch sagen, dass die Kameruner selbst schuld sind, wenn
sie nicht in der Lage sind, solche Chancen wie die der ersten Halbzeit zu verwerten. Außerdem machen
die Spiele bei um die 60 Fouls in 90 Minuten wirklich keinen Spaß mehr. Gehört das "wir" eigentlich zum
öffentlich-rechtlichen Auftrag (Kerner im ZDF)? Mir sind nun auch schon einige Kommentatoren recht positiv
aufgefallen, nur kenne ich leider ihre Namen nicht. Vielleicht kann ich sie mal rausfinden. Es ist nicht ganz klar
wieso immer wieder auf dem Mythos beharrt wird, die Mannschaft mit 10 Spielern sei der anderen unterlegen,
um dann so zu tun, als sei gerade der aktuelle Fall davon eine besondere Ausnahme. Meine Erfahrung
und die anderer Experten (zB Peter) besagt eher, dass es häufiger Spiele gibt, bei denen die
Mannschaft mit weniger Spielern einen sichtbaren Vorteil hat.

12.06.
was für ein spannendes Finish in der Gruppe B! Paraguay ist weiter und spielt nun im Achtelfinale
gegen Deutschland. Auf dieses Spiel freue ich mich, zumal bei Paraguay Henry Rollins im Tor steht.
Karin sagt, Günter Netzer sei kein alter Sack und er habe eine schöne Frisur. Außerdem ist er verglichen
mit anderen eine recht angenehme Erscheinung. Weg mit Paule Breitner.

13.06.
Ich muß mich heute nach einem neuen Spielort umsehen, weil beim Griechen nur das Brasilien-Spiel läuft. In der
zweiten Halbzeit bin ich dann in einer italienischen Eisdiele. Einige Türken dort. Die Nerven liegen blank. Am Ende
läuft doch alles gut. Die Türkei ist weiter. Nicht ganz ohne die Mithilfe Brasiliens. Nun können die Türken
ironischerweise den Brasilianern dankbar sein, nachdem sie nach dem ersten Spiel berechtigterweise sauer
auf sie waren.
Italien liefert nicht gerade eine berauschende Vorstellung und kommt doch ins Achtelfinale,
nachdem Kroatien gegen Ecuador verliert! Wir sehen das Spiel endlich im NoMiYa. Peter und Claudia sind dabei.
Es ist perfekt. Alle sind begeistert und engagiert und trotzdem herrscht eine entspannte Atmosphäre Es gibt trübes Bier, Fliegenfischkaviarsemmel und Wurstsalat mit Stäbchen. Die Sichtverhältnisse sind perfekt. Japan wird Weltmeister.

14.06.
Japan wird tatsächlich Gruppensieger. Nun steht dem Titel nichts mehr im Weg. Die italienische
Eisdiele zeigt sich immer mehr als prima Spielort. Es gibt richtigen Espresso, der sogar noch
heiß ist, wenn er am Tisch ankommt. Es läuft Premiere, aber der Kommentar ist angenehm leise.
Auch Belgien schafft es noch. Weil Portugal so unglaublich schwach ist, kommen die USA weiter.
Südkorea auch, als Gruppenerster. Nochmal: Portugal fliegt raus, USA kommen weiter. Kann
Fußball so noch Spaß machen?

15.06.
Heute spielfrei. Keine besonderen Vorkommnisse. Ok, stimmt nicht. Henry Rollins hat verloren.
Aber er hat mir auch schon bei seiner letzten Deutschland-Tour mit seiner neuen Band nicht
mehr so gut gefallen. Wir werden halt alle nicht jünger. Becks und die anderen sind weiter.

16.06.
Ein super Spiel zwischen Senegal und Schweden. Senegal gewinnt durch golden goal "glücklich und
verdient" (Lattek). Jetzt erst mal schlafen ... "Sport ist grausam". In diesem Fall müssen die Iren
leiden. Schade, ich mochte den sportlichen Trainer in Fußballkleidung. Außerdem haben sie in
jedem Spiel bis zum letzten gekämpft.

17.06.
Rudi Völler sagt "Nicht immer wird die beste Mannschaft Weltmeister". Will er uns drohen?
Überhaupt wird er ziemlich ausfällig in letzter Zeit. Ansonsten: ein echter Scheißtag.

18.06.
Japan kann leider nicht an die tolle Leistung der Vorrunde anknüpfen. Die Türken sind
auch nicht besser. Ein mieses Spiel, nach dessen Ende rote Fahnen von hupenden Autos durch
die Stadt gefahren werden (aber die Ordnungskräfte greifen rechtzeitig ein). Dafür schafft Südkorea kurz vor Ende den Ausgleich gegen Italien und schickt Trappatoni mit einem golden goal nach Hause. Das hat sicher ein Nachspiel. Hoffentlich passiert Ahn Jung Hwan nichts, wenn er wieder nach Perugia kommt. Südkorea wird Weltmeister. Nur Elfmeter sollten sie dafür noch üben. Das NoMiYa ist mittlerweile schon eine Spur zu angesagt. Die ganzen Zeiten von filmenden, interview-führenden und fotografierenden Journaillen umgeben zu sein, nervt auf die Dauer. Ortswechsel.

19.06.
Glück gehabt. So wie es aussieht muß Ahn Jung Hwan gar nicht mehr nach Perugia.

20.06.
Langsam spielt keine Mannschaft mehr mit, die ich mag. Und als wäre das noch nicht schlimm genug, sind die Spiele auch noch unglaublich schlecht. Die Vorrunde ware doch interessanter.

22.06. Die Hupkonzerte gehen weiter - nur dieses Mal länger, bis tief in die Nacht.

25.06.
Meine Voraussage hat sich bewahrheitet: nachdem Südkorea gegen Spanien gewinnen konnte,
spielen sie gegen Deutschland um einiges schlechter. Ähnlich lief das auch mit anderen Mannschaften wie Paraguay, den USA .. In jedem Fall ist Deutschland nun im Finale, wenn auch
"nicht unverdient", so doch ohne spielerisch wirklich zu überzeugen, auch wenn sie im heutigen
Spiel vielleicht etwas besser waren als sonst. Diese Kritik ist im übrigen laut Michael Ballack "typisch deutsch", wahrscheinlich genauso wie andererseits typisch deutsches Fantum. "Die Sportreporter hier haben sich mit diesem Schicksal mittlerweile arrangiert und sich als Antwort darauf und auf all die anderen Fragen dahingehend geeinigt, dass das Fest in Asien, was das fußballerische Niveau betrifft, die schwächste WM ist seit Menschengedenken. Wenn Deutschland am Ende tatsächlich Weltmeister werden sollte, wäre es also nur die logische Folge." (Frank Ketterer: Fragen eines fraglichen Erfolgs).

Unbemerkt vollzieht sich im Hintergrund gleichzeitig der große Deal um die Fernsehrechte der
Bundesliga. Stand es bisher kaum in Frage, dass Kirchmedia/Premiere für 300 Mio Euro
den Zuschlag erhalten sollten, hat Herbert Kloiber doch noch sein Angebot auf 320 Mio erhöht.
69 Mio davon könnte die ARD übernehmen und damit die TV-Erstrechte wieder ins öffentlich-rechtliche Fernsehen überführen. Pervers sind solche Summen allemal.

 

Verlängerung

Simon Feldmer beschreibt in der taz Waldemar Hartmann als "Moderator gewordener Stammtisch".
Das trifft scheinbar auf alle deutschen Reporter zu. Der unerträgliche Marcel Reif hält es für nötig, die saudi-arabischen Spieler als "die Kameraden" zu bezeichnen. Statt am 2. Juni um 9:30 das Spiel Paraguay - Südafrika zu zeigen, dürfen wir wieder einmal die Null-Statements deutscher Spieler und Funktionäre anhören. Das Spiel England besitzt natürlich einen anderen Stellenwert, was Poschmann auch überzeugend begründet. Es sei "viel interessanter, weil [es] viel packender
und interessanter" sei. Braucht eigentlich jemand einen Moderator? Bla, bla, bla. Pflichtprogramm
ist es, bei jeder Gelegenheit die alten Klischees aufs Neue zu dreschen. Bin ich der Einzige, der
gelangweilt und genervt davon ist? Ich schaue mir nun gerne bei den Griechen um die Ecke
Fußball an, da verstehe ich den Kommentar wenigstens nicht. Für wen machen die eigentlich
Fußball-Fernsehen? Hallo?! Wir sind schon im 21. Jahrhundert angekommen. Vielleicht sollten
sich die deutschen Fernsehmacher mal ein wenig am Gastland Japan orientieren, die beweisen,
dass man sich auch für Fußball begeistern kann, ohne ausschließlich als dumpfer Landesfan
aufzutreten. Was bedeutet Fußball in Zeiten der Globalisierung? Oder bei den Mönchen, die
dafür beten, dass Südkorea Weltmeister wird, aber auch für Englands Star Beckham.
Als Beispiel sollte man sich mal die Konstellation von Nationalitäten bei Frankreich/Senegal
anschauen.

Karin: "ich finde, guenter netzer ist KEIN alter sack. und JA, ich hab schon einen schreianfall bekommen. ICH BEZAHLE KABELGEBUEHREN, ICH BEZAHLE ORF-GEBUEHREN (nachdem ich hausbesuch von einer fernseher-kontrolleurin bekam, aber das ist eine andere geschichte) ICH HABE DAS RECHT, ALLE SPIELE ZU SEHEN. das kannst du bitte als meinen persoenlichen kommentar in dein guest-book eintragen."

Jeder Tag bringt aufs Neue den unglaublichen Ärger auf Kirch mit sich, der es geschickt geschafft hat, unser WM-Erlebnis zu destruieren. Angesichts der Tatsache, dass die meisten "Premiere Sports Bars" am frühen morgen sowieso geschlossen sind, fragt man sich wirklich, wem die Übertragungsrechte für Premiere nützen sollen.

Gibt es auch eine WM-Berichterstattung ohne alten Säcke, die auf unsere Kosten nach Japan
geflogen werden, damit sie sich dort als "Experten" ausgeben können und dabei die immer selben
Sprüche von sich geben.

Noch ein paar Regeln für den Fußballjournalismus.
1. In jedem Spiel werden die Karten neu gemischt. Eine Kontinuität gibt es nur bedingt. Zum Beispiel ist es für ein Länderspiel England-Argentinien unwichtig, ob England vielleicht 1978 mal in derselben Konstellation gewonnen hat oder auch nicht. Man kann sowas mal als historische Anekdote erwähnen, aber man sollte sich mal klar machen, dass es ansonsten keinerlei Bedeutung hat.
2. Dasselbe gilt umso mehr für Statistiken. Die braucht man noch nicht mal zu erwähnen. Die sind einfach nur völlig blöd und nichtssagend (schönen Gruß auch an die ran-"Redaktion")

 

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Markus Merk, deutscher Schiedsrichter bei der WM und Gerechtigkeitsfanatiker.
Komisch, dass er nicht darauf kommt, dass die Produktionsverhältnisse bei der Herstellung von Bällen, Schuhen etc. und überhaupt der ganze WM-Kommerz nicht wirklich gerecht sind.

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> im Juni 2002, Oliver Frommel